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Aikido ist wie andere japanische Kampfkünste aus den mittelalterlichen Kriegskünsten hervorgegangen. Diese Kriegskünste waren schlachtenerprobt und wurden von Schule zu Schule weitergegeben. Der Meister solch einer Schule, wenn nicht aus der Familie der Eigentümer, wurde Soke genannt. Er garantierte die Überlieferung und Funktion der Techniken für sein „Haus“. Mächtige adelige Familien bildeten einen Clan und besaßen eine Stammburg (ein Haus). Die Krieger dieses Clans wurden im „Ryu“ des Hauses, in der Kampfkunst des Hauses ausgebildet.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden sogenannte moderne Kampfkünste aus diesen Ryu erschaffen (so ist aus Takeda Ryu und Daito Ryu z.B. Aikido entstanden).

Bekannt sind Judo, Karate, Aikido und Kendo sowie Kyudo. War der Do, die Förderung der positiven, der Gesellschaft nützlichen Eigenschaften des Charakters der Grundgedanke dieser Kampfkünste, so wurde im Laufe der Zeit daraus ein Sport mit folgender Entkernung des Grundgedankens. Wettkämpfe und deren Regeln taten ihr übriges und aus Kriegskünsten und Selbstverteidigung wurden nur für den Sport geeignete Wettkampftechniken.

Aikido hat sich dieser Entwicklung zwar erfolgreich entzogen, dafür wurde aber vielfach die Funktion als Kriegskunst und Selbstverteidigung zu Gunsten des Do geopfert. Hier hat man somit die Wahl zwischen verschiedenen Stilen. In der Aikidoschule Steingasse zum Beispiel wird der Aspekt der Kampfkunst zur Möglichkeit der Selbstverteidigung praktiziert.

Im Gegensatz zu Asien, wo die Kriegskünste wie oben beschrieben konserviert wurden und daher weiterlebten, verlief die Entwicklung in Europa anders. Auch hier bildeten sich mehrere berühmte Schulen heraus (z.B. Lichtenauer) die wie in Japan den Kampf mit dem Schwert (Katana, Langschwert), dem Speer (Naginata, Helebarde, Pike) und dem Dolch (Tanto) sowie den waffenlosen Kampf (Kampfringen) unterrichteten. Im 16. Jahrhundert gab es überall im heiligen römischen Reich (und auch außerhalb) Fechtschulen für die Bürgermiliz eines befestigten Ortes. Der Kaiser hatte 2 Schulen das Patent gegeben, jemanden den Meistertitel zusprechen zu können. Es waren das die Nürnberger Marxbrüder und die Prager Fechterfeder. Meistens waren diese zwei Schulen in einem Ort vertreten, da die Ausbildung nach Zünften geordnet war. So war der Ort durch eine Bürgerwehr geschützt. 1570 wurde das letzte Lehrbuch (Joachim Meier) aus der Lichtenauschen Schule geschrieben, kurz darauf wurden die Bürgerwehren zu Gunsten professioneller Söldner abgeschafft. Der 30jährige Krieg stand vor der Tür.

Joachim Meier beklagt in seinem Buch den Niedergang der Tugenden zu Gunsten der Feuerwaffen und sieht das Ende der europäischen Schwertkunst kommen. „Dieses Buch ist geschrieben für den Fall, dass es keinen Meister mehr gibt“. Durch sein Buch und viele andere Dokumentationen wurden die europäischen Kampfkünste in Büchern konserviert. Auf Grund von Biomechanik und Physik kann man die Gemeinsamkeiten zwischen Europa und Japan entdecken sofern man nicht aus idealistischen Gründen eingeengt ist.

War die Fechtschule in Europa der Ort der körperlichen Ertüchtigung, der Geselligkeit und der Überlieferung der Tugendhaftigkeit (Kodex über z.B. Respekt dem Gegner gegenüber usw.) so war das japanische Dojo des Mittelalters im Grunde genommen nichts anderes.

Aikido, von Morihei Ueshiba begründet, hat die friedvolle Auseinandersetzung mit Problemen zum Grundgedanken. Auch Ueshiba hatte den Krieg kennen und verachten gelernt. Seine Idee der friedvollen Kampfkunst begründet sich auf diesen Erfahrungen. Das Wesen einer Kampfkunst selbst besteht ja aus der Tatsache, dass Intelligenz pure Kraft besiegen kann. Als unsere Vorfahren dem Säbelzahntiger gegenüberstanden, mussten sie sich etwas einfallen lassen um zu überleben. War schon die Keule ein Vorteil gegen überlegene Kräfte, war sie aber bei diesem Raubtier keine Hilfe. Also musste der Speer erfunden werden. Hier sehen und verstehen wir die Entwicklung von Kampfkünsten als eine Angelegenheit der Intelligenz. Darum müssen wir auch zwischen Kampfkünsten und Sport unterscheiden. Der Sport hat Regeln um Verletzungen zu vermeiden, die Kampfkunst kennt nur die Regel der Funktion zum Überleben. Darum wurde der Kampfkunst immer wieder ein Kodex an Verhaltensregeln zur Seite gestellt um darin geübte Krieger im Zaum zu halten. Auch das Rittertum wurde als Kodex in die Welt gesetzt um der Anarchie der Warlords Einhalt zu gebieten. Ueshiba entwickelte daher eine defensive Kampfkunst als Antwort auf Gewalt. Nehmen wir nochmals das Bild des Säbelzahntigers. Keiner unseren Altvorderen hätte mit gesundem Verstand und den damaligen Möglichkeiten diese Bestie anzugreifen gewagt. Leider war es umgekehrt nicht so. Für 300kg geschmeidige Muskelmasse war ein Homo Sapiens kein Gegner. Dieser konnte in Bezug auf Geschwindigkeit nicht fliehen, für die Keule war der Schädel des Tieres nicht zu knacken. Also der Speer. Was für ein Speer in einer Zeit ohne Metalle, die dafür geeignet waren? Unsere Vorfahren mussten sich also den Kopf zerbrechen um eine Lösung zu finden. Welches Holz welcher Dicke konnte das Gewicht dieser springenden Bestie aushalten? Wie konnte man den Speer arretieren ohne samt Speer hinweggefegt zu werden? Wie konnte man die Speerspitze (durch Feuer) härten ohne dass sie beim Impakt zerbrach?

Ueshiba destillierte aus seinem Wissen an Techniken das, was wir jetzt Aikido nennen. Da er wusste, dass der Kampf im Vorfeld bis zu einem gewissen Grad verhindert werden konnte, legte er auch Wert auf die Ausbildung der Persönlichkeit. Der Hosenrock der Samurai mit seinen sieben Falten dient daher als Wegweiser. Ehre/Respekt, Loyalität, Aufrichtigkeit, Höflichkeit, Güte, Gerechtigkeit, Weisheit /Intelligenz.